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Projektauswirkungen des Pumpspeicherwerks Atdorf

Der Bau des Projekts Atdorf wird Auswirkungen für Anwohner mit sich bringen, die größtenteils durch Anpassungen in der technischen Planung minimiert werden. Wo dies nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, wird die Genehmigungsbehörde der Schluchseewerk AG gegebenenfalls Maßnahmen zur Reduzierung auferlegen.

Luftemissionen

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Gibt es Minderungsmaßnahmen?

Mit dem Ziel, Auswirkungen bestmöglich zu minimieren, wurde die Planung in zahlreichen Schritten ständig angepasst und optimiert. Beispielhaft für eine Vielzahl von Maßnahmen zur Luftreinhaltung sind hier der Einsatz schadstoffarmer Baumaschinen, Reifenwaschanlagen für die Lkw, Einhausungen von Baumaschinen oder die Befeuchtung stark staubender Bereiche zu nennen.

Welche Stoffe wurden untersucht?

Untersucht wurden Stickstoffdioxid (NO2), Feinstäube (PM10, PM2,5) und die Staubdeposition (Ablagerung auf den Boden). Da im Projektgebiet natürlicherweise arsenhaltiges Boden- und Gesteinsmaterial anzutreffen sind, wurden zudem luftgetragenes Arsen und die Arsendeposition in die Untersuchungen aufgenommen.

Für welche Phasen gelten die Prognosen?

Abhängig vom Baufortschritt sind unterschiedliche Emissionen zu erwarten. Deshalb wurden Prognosen für verschiedene Baujahre erstellt, um vor allem auch Aussagen über die höchste Belastung treffen zu können. Im zweiten bis vierten Baujahr finden die meisten Tätigkeiten statt, sodass die Emissionen für diese Jahre detailliert berechnet und Ausbreitungsprognosen erstellt wurden.

Für welche Orte gibt es Untersuchungen?

Die Untersuchungen wurden für die Baustellenbereiche und deren Umfeld sowie für die geplanten Verkehrswege erstellt. Mit zunehmendem Abstand zu den Emissionsquellen reduzieren sich die Immissionen, demzufolge sind die Baustellen selbst und deren nähere Umgebung die am meisten betroffenen Bereiche. Zur Beurteilung der Immissionen wurden deshalb die jeweils nächstgelegenen Wohnhäuser im Umfeld der Baustellen herangezogen.

Welche Grenzwerte gelten für die Immissionen?

Zur Beurteilung der Immission wurden die Grenzwerte der 39. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (39. BImSchV) und die Immissionswerte der TA Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) herangezogen. Außerdem wurden Richtwerte des Deutschen Heilbäderverbandes und des Deutschen Tourismusverbandes betrachtet.

Gibt es eine Überwachung während der Bauzeit?

Um nachzuweisen, dass die prognostizierten Immissionswerte eingehalten werden, wird während der Bauzeit ein umfangreiches Monitoringprogramm mit permanenter Überwachung der relevanten Werte durchgeführt. Dazu sollen an verschiedenen Punkten, die in der Genehmigung festgelegt sind, Messungen der einzelnen Stoffe vorgenommen werden. Das System erfasst zudem Wetterdaten, wie Windrichtung, Windgeschwindigkeit und Temperatur.

Natürliches Arsenvorkommen

3 10 arsenIm Fels und Gestein des Südschwarzwalds ist seit Jahrmillionen geogenes Arsen eingelagert. Der Hotzenwald zählt dabei zu den Gebieten mit den höchsten natürlichen Arsengehalten Baden-Württembergs. Daher kann es beim Aushub von Bodenmaterial oder Gestein zum Austrag von Arsen kommen. Deshalb wurden bei den Planungen umfangreiche Untersuchungen zu möglichen Auswirkungen durch eine potenzielle Arsenbelastung vorgenommen.

Eine Zusatzbelastung durch Arsen besteht während der Bauzeit nur für wenige Jahre. Der Immissionswert wird nur in einem dieser Jahre überschritten. Damit sind durch die Baumaßnahmen keine gesundheitlich bedenklichen Arsenbelastungen der Bevölkerung zu erwarten, wie genaueste Untersuchungen und Expertisen zeigen. Dennoch werden zahlreiche technische Maßnahmen zur Begrenzung ergriffen.

Schallemissionen

3 10 schallemisionIm Schallgutachten wurden die Auswirkungen durch den Baustellenverkehr, die Baustellenbereiche und den Betrieb des Pumpspeicherwerks untersucht und bewertet. Dazu wurden auf Grundlage des Bauablaufs detaillierte Überlegungen angestellt, welche Arbeitsvorgänge zu Emissionen (= Entstehung von Schall) führen. Es wurde genau betrachtet, mit welchen Maschinen gearbeitet werden soll und welche Schallleistungspegel, also welche Geräuschemissionen, der Betrieb dieser Maschinen verursacht. Auf Grundlage der erwarteten Emissionen wurden Immissionsprognosen (= Einträge) berechnet, also die Einwirkungen, die sich auf Mensch und Umwelt in den angrenzenden Ortschaften und Bereichen ergeben können.

Ergebnisse der Berechnungen

Baufeld Hornbergbecken II und Übergabestation
Die Prognose der bauzeitlichen Beeinträchtigungen wurde für sieben unterschiedliche Betrachtungszeiträume durchgeführt, wobei zwischen Tag und Nacht unterschieden wurde. Für die beiden Altenpflegeheime in Atdorf und Niedergebisbach im Umfeld des Hornbergbeckens II gelten noch strengere Grenzwerte als in der benachbarten Wohnbebauung. Bei den Altenpflegeheimen treten während der gesamten Bauzeit tagsüber Überschreitungen des Richtwertes auf. An weiteren drei Gebäuden in Obergebisbach kann es nachts während der Betonarbeiten an den Druckschächten zu Überschreitungen des Richtwertes kommen. Ursache hierfür ist die Betonmischanlage, die einmal in der Woche betrieben werden muss. Diese Phase der einmal wöchentlichen Überschreitung erstreckt sich über 25 Monate. Außerdem ist am nördlichen Rand von Rüttehof ein Gebäude während des Baus der Übergabestation für acht Monate von Richtwertüberschreitungen betroffen.

Baufeld Haselbecken
Die Schallimmissionen wurden für fünf Betrachtungszeiträume während der Bauzeit prognostiziert. In diesen Zeiträumen finden unterschiedliche Bauaktivitäten an unterschiedlichen Orten im Bereich des Unterbeckens statt. Die Hauptlärmquelle ist der Bau der Hauptsperre, der über einen Zeitraum von knapp 16 Monaten im Durchlaufbetrieb, also 24 Stunden täglich, erfolgen muss. Dadurch ergeben sich an 124 Gebäuden Überschreitungen der Richtwerte für maximal acht Monate. An weiteren 70 Gebäuden ergeben sich Überschreitungen von maximal vier Monaten. In allen anderen Jahren ist die Schallbelastung niedriger und es kommt zu keinen Richtwertüberschreitungen.

Baufeld Betriebsgelände Wehr und Deponie Schindelgraben
Beim Bau sowie durch die Ablagerung von Ausbruchsmaterial am Schindelgraben sind die relativ gesehen größten Schallimmissionen zu erwarten. In keinem der Beurteilungszeiträume − weder tags noch nachts − wurden jedoch bei der Prognose Überschreitungen der Immissionsrichtwerte in Wehr festgestellt.

Auswirkungen durch Verkehr

Die Bewertung von zusätzlichem Verkehr auf öffentlichen Straßen ist rechtlich nicht vorgeschrieben, da diese Straßen grundsätzlich von allen Verkehrsteilnehmern ohne Genehmigung befahren werden dürfen. Dennoch wurden bei den Planungen zum Pumpspeicherwerk Atdorf auch der baubedingte Verkehr auf öffentlichen Straßen betrachtet und seine Auswirkungen bewertet. Das Ergebnis: Auf keiner der Straßen mit Baustellenverkehr kommt es während der Bauzeit zu signifikanten Veränderungen der Schallsituation.

Erschütterungen

3 10 erschuetterungenBeim Bau des Pumpspeicherwerks Atdorf werden Erschütterungen durch die im Baubetrieb eingesetzten Geräte, durch Sprengungen und durch vorbeifahrende Lkw verursacht. Diese können sowohl auf den Menschen als auch auf Gebäude wirken. Deshalb wurden sie genau untersucht. Das Ergebnis: Durch Anpassung der Sprengstärken sowie durch alternative Fahrtrouten und Tempolimits beim Bauverkehr können erhebliche Belastungen auf Menschen und Gebäude ausgeschlossen werden.

Sprengerschütterungen
Durch Probesprengungen wird ständig sichergestellt, dass die Grenzwerte für Erschütterungen eingehalten werden. Die Sprengstoffmenge wird so festgelegt, dass die Grenzwerte für Erschütterungen nie erreicht werden.

Erschütterungen durch Lkw-Verkehr
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass durch die zusätzlichen Lkw-Vorbeifahrten keine erheblichen Belästigungen von Menschen in Gebäuden auftreten und auch bei Gebäuden selbst die Nutzung und Sicherheit gewährleistet ist.

Thermalquellen Bad Säckingen

Die Schluchseewerk AG ist sich der Bedeutung der Quellen für den Standort Bad Säckingen bewusst und hat von Beginn an zugesichert, Auswirkungen durch Bau und Betrieb des Pumpspeicherwerks Atdorf auf Thermalquellen auszuschließen. Deshalb wurden über mehrere Jahre intensive Untersuchungen durchgeführt und Maßnahmen zum Schutz der Thermalquellen entwickelt.

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Keine Auswirkungen auf Thermalquellen

Durch den Schöpfebach, den Bergsee und das Seebächle wird der Abstrombereich östlich des Abschlussdammes II in Richtung Bad Säckingen räumlich begrenzt.

Hierdurch ist eine Beeinflussung der Thermalquellen durch das Projekt bereits ohne besondere Schutzmaßnahmen unwahrscheinlich. Um dennoch alle Auswirkungen sicher auszuschließen, werden am Abschlussdamm II zusätzliche Maßnahmen umgesetzt:

So wird eine Dichtwand in Form einer Betonpfahlwand gebaut, die den Hangschutt in der natürlichen Talfüllung abdichtet. Sie reicht bis in den tieferen Untergrund (Gneis). Sickerwasser, das trotz der Dichtwand eventuell auftritt, wird durch eine Brunnengalerie samt Pumpen aufgefangen und ins Staubecken zurückgeführt. Insgesamt wird dadurch eine hydraulische Barriere erzeugt, die ein Absickern von Wasser in Richtung Südosten und Bad Säckinger Thermalquellen sicher verhindert. Zur Kontrolle werden im Abstrom des Damms Grundwassermessstellen angeordnet.

Kontinuierliche Überwachung gewährleistet

Sowohl während der Bau- als auch während der Betriebsphase des Haselbeckens werden die Thermalquellen überwacht. Neben den bestehenden Grundwassermessstellen im Umfeld des Beckens werden vier Abwehrbrunnen sowie zwei neue, tiefe Grundwassermessstellen erstellt. Mit Hilfe von Datenloggern und Datenfernübertragung ist so eine kontinuierliche Überwachung der Grundwasserstände gewährleistet. Darüber hinaus erfolgen an den Thermalquellen Messungen von Förderrate, Auslauf, Temperatur und elektrischer Leitfähigkeit. Diese Messungen sind sehr exakt und erlauben, etwaige Einflüsse bei Bau und Betrieb frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls schnell Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

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